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Samuel Fischer Gastprofessur für Literatur

Foto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin WeinkopfFoto: Carolin Weinkopf
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Seit Beginn des Sommersemesters 1998 wird vom S. Fischer Verlag, der Freien Universität Berlin, dem DAAD und dem Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck jeweils für ein Semester eine Autorin bzw. ein Autor an das Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften der Freien Universität Berlin eingeladen. Neben der Lehrtätigkeit an der FU Berlin werden öffentliche Lesungen und Veranstaltungen mit den Gastprofessoren in Berlin und anderen deutschen Städten veranstaltet.

Literaturen der Welt

Die Gastprofessur ermöglicht Studentinnen und Studenten der Freien Universität Berlin gemeinsam mit international bekannten Autorinnen und Autoren Literatur zu studieren und eigene Texte zu erarbeiten. Eine eigene Edition, edition avl, ist aus der Gastprofessur hervorgegangen, in der die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit dokumentiert und veröffentlicht werden.

Sommersemester

Lavinia Greenlaw kam 1962 in London zur Welt. Im Alter von elf Jahren zog sie mit ihrer Familie in ein kleines Dorf nach Essex. Rückblickend beschreibt sie diese Zeit in ihrem literarischen Erinnerungsband The Importance of Music to Girls (2007): “I didn’t work: my language, accent. Codes and clothes were all wrong. People laughed at my name and mimicked the way I spoke. My voice was too posh, I had ink on my shirt, I was messy and skinny and dead white.” Zum Studium der Kunstgeschichte an der Kingston University kehrte Greenlaw 1980 nach London zurück, wo sie bis heute als Schriftstellerin, Künstlerin und Journalistin lebt und arbeitet.

Ihr erster Lyrikband, The Cost of Getting Lost in Space, erschien bereits 1991; 1993 folgte Night Photograph, der erste Band in der renommierten Lyrikreihe des britischen Verlags Faber & Faber, für den sie auf der Shortlist zum T.S. Eliot Preis, dem Forward Preis und Whitbread Award for Poetry stand.

Lavinia Greenlaw schreibt nicht nur Gedichte: Für die BBC hat sie Virginia Woolfs Roman Night and Day als Hörspiel adaptiert. Sie hat sich auch in ihren Radio-Dokumentationen mit der Wirkung von Licht und Sehkraft etwa im arktischen Mittsommer, bei der Sonnenwende und an besonders dunklen Orten in England beschäftigt. Mit Audio Obscura schuf Greenlaw 2011 ein immersives Klangkunstwerk – ein Stück zum Anhören auf Kopfhörern im Bahnhof oder an anderen öffentlichen Plätzen – für das sie den Ted Hughes Award für Lyrik erhielt und sie war die erste Artist-in-Residence des Londoner Science Museum.

Auf Deutsch liegen bislang die beiden Lyrikbände Minsk (2006) und Nachtaufnahmen (1998) sowie der Roman Die Vision der Mary George (2001) vor.

Wintersemester

Im Wintersemester 2016/17 ist Abdourahman Waberi S. Fischer Gastprofessor. Er gilt als „Nationalschriftsteller Dschibutis“ und wurde im Jahr 2005 von der französischen Literaturzeitschrift Lire zu den 50 wichtigsten und einflussreichsten Gegenwartsautoren gezählt.

Waberi wurde 1965 in Dschibuti geboren. 1985 zog er nach Frankreich und studierte englische und französischsprachige Literatur in Caen und Dijon, wo er das Studium mit einer Arbeit über den somalischen Autor Nuruddin Farah abschloss. 2012 wurde Waberi an der Université de Paris Ouest-Nanterre La Défense promoviert. Er ist auch als Journalist und Literaturkritiker sowie als Verlagsberater für zeitgenössische afrikanische Literatur tätig. Als Kolumnist schreibt er regelmäßig für Le Monde diplomatique. Für sein literarisches Schaffen erhielt Waberi zahlreiche Stipendien und Lehraufträge im Ausland. Zurzeit unterrichtet er als Professur für frankophone Literatur und kreatives Schreiben an der George Washington University in Washington DC, USA.

Seine Bücher wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Waberis erster Erzählband Le Pays sans ombre erschien 1994. Es folgten der Band Cahier nomade (1996) und der Roman Balbala (1997), die zusammen als Trilogie über Dschibuti gelesen werden können. Kurzgeschichten aus beiden Bänden, in deren Zentrum die Geschichten und der Alltag der Menschen des kleinen Staates stehen, sind 1998 unter dem Titel Die Legende der Nomadensonne auf Deutsch erschienen. Für Cahier nomade erhielt Waberi den Grand prix littéraire dAfrique Noire. Sein Satire-Roman Aux États-Unis dAfrique, (In den Vereinigten Staaten von Afrika, 2008) entwirft eine fiktive Kartografie der Welt, in der historisch-politische Verhältnisse und gewohnte Betrachtungsweisen auf den Kopf gestellt werden. Auf Deutsch erschienen sind außerdem 2008 Schädelernte sowie 2011 Tor der Tränen. Zuletzt veröffentlichte Waberi den Roman La Divine Chanson (2015) und den Gedichtband Mon nom est aube (2016).

Aktueller S. Fischer Gastprofessor Abdourahman Waberi, Foto: Michael SetzpfandtGründer von SAVVY Contemporary, Bonaventure Ndikung, Foto: Michael SetzpfandtGespräch zwischen Abdourahman Waberi und Bonaventure Ndikung, Foto: Michael SetzpfandtFoto: Michael SetzpfandtFoto: Michael SetzpfandtFoto: Michael SetzpfandtLesung und Gespräch in der Galerie SAVVY Contemporary, Foto: Michael Setzpfandt
Aktueller S. Fischer Gastprofessor Abdourahman Waberi, Foto: Michael Setzpfandt
Gründer von SAVVY Contemporary, Bonaventure Ndikung, Foto: Michael Setzpfandt
Gespräch zwischen Abdourahman Waberi und Bonaventure Ndikung, Foto: Michael Setzpfandt
Foto: Michael Setzpfandt
Foto: Michael Setzpfandt
Foto: Michael Setzpfandt
Lesung und Gespräch in der Galerie SAVVY Contemporary, Foto: Michael Setzpfandt

Die Samuel Fischer Ehrengast Lesungen

Im Rahmen dieser Gastprofessur wurde die Reihe der Samuel Fischer Ehrengast-Lesungen eingerichtet. Ehrengäste waren bisher u.a. Antonio Skármeta aus Chile, Carlos Fuentes aus Mexiko und Orhan Pamuk, Literaturnobelpreisträger 2006. Aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums der Gastprofessur traten Paul Auster am 29. September 2008 im Berliner Ensemble und der Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe am 1.11.2008 im Haus der Kulturen der Welt auf. Zum 15-jährigen Jubiläum las Vladimir Sorokin, der erste Gastprofessor aus dem Jahr 1998, am 4.6.2013 im Berliner Ensemble aus seinem Roman 'Der Schneesturm'.

Samuel Fischer Gastprofessuren 1998-2016

Bisher hatten die Samuel Fischer Gastprofessur folgende Autorinnen und Autoren inne (alphabetische Reihenfolge):

 

  • Hector Abad, Kolumbien
  • Nora Amin, Ägypten
  • Scott Bradfield, USA
  • Mircea Cartarescu, Rumänien
  • Javier Cercas, Spanien
  • Amit Chaudhuri, Indien
  • Nuruddin Farah, Somalia
  • Nedim Gürsel, Türkei/Frankreich
  • Andrew Sean Greer, USA
  • Robert Hass, USA
  • David Hinton, USA
  • Viktor Jerofejew, Russland
  • Daniel Kehlmann, Deutschland und Adam Thirlwell, Großbritannien
  • Etgar Keret, Israel
  • László Krasznahorkai, Ungarn
  • Alberto Manguel, Kanada
  • Yann Martel, Kanada
  • Michèle Métail, Frankreich
  • Valentin Yves Mudimbe, Demokratische Republik Kongo
  • Kenzaburo Oê, Japan
  • Alice Oswald, Großbritannien
  • Fernando Pérez, Kuba
  • Sergio Ramirez, Nicaragua
  • Richard Powers, USA
  • Teresa Präauer, Österreich
  • Raoul Schrott, Österreich
  • Sjón, Island
  • Vladimir Sorokin, Russland
  • Marlene Streeruwitz, Österreich
  • Sara Stridsberg, Schweden
  • Dubravka Ugrešic, Kroatien
  • Tomas Venclova, Litauen
  • Abdourahman Waberi, Dschibuti
  • Cécile Wajsbrot, Frankreich
  • Feridun Zaimoglu, Deutschland

 

Bisherige Samuel Fischer Ehrengäste:

  • Paul Auster, USA
  • Carlos Fuentes, Mexiko
  • Kenzaburo Oê, Japan
  • Orhan Pamuk, Türkei
  • Antonio Skármeta, Chile
  • Vladimir Sorokin, Russland

Daten und Informationen

Lavinia Greenlaw
Großbritannien

Seminar
Peter-Szondi-Institut, FU Berlin
"On Seeing and not Seeing Further"
ab 19. April, Mittwoch 14-16 Uhr

Lesung Berlin
19. Juni 2017, 21.30 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Lesung Frankfurt
29. Juni 2017
Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Webpage Samuel Fischer Gastprofessur

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